Der Unterschied in der Reaktion von Männern und Frauen nach dem Geschlechtsverkehr führt oft zu Verwirrung, Beleidigung und Missverständnissen. Ein Mann, der gerade seine ganze Leidenschaft und Aktivität gezeigt hat, wendet sich plötzlich ab und schläft ein. Eine Frau hingegen braucht emotionale Nähe, kontinuierliche Kommunikation und Wärme. Diese Wahrnehmungslücke mag grausam und ungerecht erscheinen, vor allem wenn sie als persönliche Gleichgültigkeit empfunden wird. Die Ursprünge eines solchen Verhaltens liegen jedoch viel tiefer als bloße Gleichgültigkeit oder Egoismus.
Schon die alten Kulturen versuchten, die unterschiedlichen Reaktionen der Geschlechter nach dem Geschlechtsverkehr zu erklären. Die Ägypter zum Beispiel betrachteten das Sexualleben von Männern und Frauen als von Natur aus ungleich. Die männliche Sexualität besteht ihrer Meinung nach aus drei Phasen: Erregung, Handlung und Vollendung. Die weibliche Sexualität bestand aus vier Phasen, einschließlich der emotionalen Vorbereitung und der symbolischen Fortführung in Form der Möglichkeit der Empfängnis.
Unter diesem Gesichtspunkt wird klar, warum der Mann nach der Ejakulation im übertragenen Sinne das Gefühl hat, „am Ende seiner Reise“ zu sein. Er hat seine Handlung vollzogen, sein Körper hat eine starke Energiefreisetzung erfahren und will sich nun erholen. Bei der Frau hingegen beginnt eine neue Phase - eine emotionale Steigerung, ein Verlangen nach Intimität und ein Gefühl der inneren Sättigung, das nicht immer von der physiologischen Tatsache der Empfängnis abhängt.
Biologisch gesehen sinkt der Dopaminspiegel des Mannes nach dem Orgasmus stark ab und Prolaktin, ein Hormon, das Schläfrigkeit verursacht, steigt an. Dies ist eine vom Willen unabhängige körperliche Reaktion. Im Gegensatz dazu kann der Körper der Frau nach der Intimität einen Anstieg der Hormone erleben, die die Bindung und den Wunsch nach Gesellschaft verstärken. Das ist es, was bei den Partnern nach dem Sex „unterschiedliche Geschwindigkeiten“ hervorruft.
Das Verständnis dieses biologischen und psychologischen Unterschieds kann helfen, Konflikte zu vermeiden. Für die Frau ist es hilfreich zu erkennen, dass das Einschlafen des Mannes kein Zeichen von Gleichgültigkeit ist, sondern eine der Natur innewohnende Reaktion. Der Mann sollte sich daran erinnern, dass für eine Partnerin nicht nur körperliche, sondern auch emotionale Nähe wichtig ist - selbst wenn sie sich nur in einer kurzen Umarmung oder einem Wort ausdrückt.
Der ideale Ausweg ist, einen Kompromiss zu finden. Manchmal reichen ein paar Minuten Aufmerksamkeit aus, damit sich eine Frau geliebt und verstanden fühlt. Und der Mann kann sich beruhigt zurücklehnen, weil er weiß, dass sein Verhalten nicht als Distanzierung empfunden wurde. Schließlich entsteht Harmonie in einem Paar nicht durch Perfektion, sondern durch gegenseitigen Respekt vor den natürlichen Unterschieden.

